Ist Kleintierstreu auf Weichholzbasis schädlich? 

Der Markt für Kleintierstreu & sonstiges Einstreumaterial

Ist Kleintierstreu auf Weichholzbasis schädlich?

Von Arnold Dijkstra

Arnold absolvierte sein Studium als Mikrobiologe an der Universität Groningen, Niederlande. Bei seiner Arbeit an verschiedenen Regierungsinstituten und Unternehmen erwarb er über einen Zeitraum von 20 Jahren umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Mikrobiologie der Kleintierprodukte und des Kleintierfutters. Mit diesen Kenntnissen unterstützte er Analysen, Forschungsarbeiten, Beratung und Schulungen auf den Gebieten Mikrobiologie, Produktentwicklung, Produktionsverfahren und Produktqualität SOWIE Produktsicherheit.

Streu auf Holzbasis wird von vielen Kleintierbesitzern, Vogelzüchtern und vom Zoofachmarkt aufgrund verschiedener guter Eigenschaften bevorzugt. Es ist preisgünstig, leicht zu handhaben, hat ausgezeichnete Saugfähigkeit, verhindert Gerüche und übt manchmal die Eigenschaft eines Insektizids und Bakterizids aus. Andererseits können diese Naturmaterialien auch verschiedene chemische Substanzen enthalten, die Krankheiten verursachen. Mögliche Gefahren sind in der Diskussion.

Als Kleintierstreu verwendet man eine breite Palette von Materialien. Hartholz (Espe, Buche), Weichholz (Kiefer, Zeder), Kolbenmais, Papier (zerknitterte Streifen von Kartonagen-Papier), Zeitungspapier, Gräser (Weizen, Heu, Hanf) und sonstige organische Materialien. Die Materialien werden danach ausgewählt, wie sie Flüssigkeiten aufsaugen, Gerüche eindämmen, Komfort für Tier und Tierbesitzer bieten, wie sie zu handhaben sind und wie viel Staub sie verursachen. Es werden auch hochwertigere Eigenschaften berücksichtigt, wie etwa die Fähigkeit zur Verhinderung von Mikroorganismenbildung, Schimmelpilzbildung, Flöhen, Milben und sonstigen Schädlingen.

Streu auf Holzbasis wird normalerweise aus den Abfällen von Sägewerken und dem Holzgewerbe hergestellt. Nachforschungen im Zoofachhandel ergaben, dass auf den Verpackungen der meisten kommerziellen Streus aus Holzspänen nicht die Art(en) des verwendeten Holzes vermerkt sind, wobei jedoch Farbe und Geruch auf Kiefer hindeuten. In den Niederlanden sind Forschungsergebnisse zu 5 im Einzelhandel erhältlichen Marken vorhanden, von denen 4 zu 100% aus Kiefer bestanden und eine zu 95% aus Kiefernholz bestand.

Die Verwendung von Weichholz wie Kiefer und Zeder als Kleintierstreu ist jedoch umstritten. Viele behaupten, dass die bakterien- und insektenabweisenden und geruchsbindenden Chemikalien auch für die darauf oder darin lebenden Tiere, ja sogar für den Tierbesitzer, Züchter und Zoofachhändler schädlich sein können.

Es ist eine Tatsache, dass die Zeder und andere aromatisch duftende Weichhölzer wie die weiße und die gelbe Kiefer angenehm riechende, flüchtige Kohlenwasserstoffe (Terpene) enthalten. Sie können jedoch auch andere Kohlenwasserstoffe enthalten, wie etwa die Plicatinsäure in der Zeder, die zu Atemwegserkrankungen führen können wie Asthma, Schnupfen oder Bindehautentzündung bei Mensch und Tier, wobei die Schädigung sich progressiv weiterentwickeln kann. Zedernspäne sind außerdem bereits mit einer erhöhten Sterblichkeit bei jungen Ratten in Verbindung gebracht worden, und verschiedene Wissenschaftler haben hier im Laufe der Jahre auf krebserregende Eigenschaften hingewiesen. Holz aus der westlichen Rotzeder (Thuja plicata) enthält eine der wirksamsten Insektizidkomponenten, die zu seiner Beliebtheit im Zusammenhang mit der Vertreibung oder Vernichtung von Kleidermotten geführt hat.

Bei der Kiefer (Familie der Pinaceae ), ist die wichtigste, reizauslösende Komponente die Abietinsäure, das Hauptallergen im Rosin (Colophonium). Die Abietinsäure selbst verursacht relativ schwache allergische Reaktionen. Jedoch sind eine Reihe von Verbindungen, die durch Oxidation mit Abietinsäure entstehen, starke Kontaktallergene. Andere Kohlenwasserstoffe führen zu Leberveränderungen, die die Fähigkeit zur Entgiftung bestimmter Arzneimittel herabsetzen, einschließlich verschiedener Narkosemittel. Zu den Kiefernprodukten gehört auch Kiefernharz, das für Klebstoffe, Farben und Lacke, Druckfarben und für die Verarbeitung von Papier, Pappe und Stoff eingesetzt wird.

Einstreumaterial, das auf Holzbasis hergestellt wird, produziert schließlich auch Staub, und einige Studien haben einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Holzstaub und oralen Krebsarten festgestellt. Kürzlich wurden in einem Labor des Forschungszentrums der Universität Wageningen verschiedene Marken von Kleintierstreu auf das Vorhandensein von Abietinsäure untersucht sowie bezüglich der Flüchtigkeit der Säure. Hierzu verwendete man das Verfahren der Gaschromatografie (GC-MS). Die Ergebnisse zeigten Mengen zwischen 0,2 und 2 mg Abietinsäure pro Gramm Einstreumaterial. Es wurden auch verschiedene andere Verbindungen gefunden, die mit der Abietinsäure im Zusammenhang stehen. Zwar wurden keine signifikanten Mengen von Abietinsäure festgestellt, die an die Luft abgegeben wurden, aber es wurden "Spitzen" anderer flüchtiger Kohlenwasserstoffe identifiziert. Das direkte Einatmen der Abietinsäure ist deshalb unwahrscheinlich, aber das Einatmen von Sägestaub und/oder der Konsum des Einstreumaterials führen zu einer unmittelbaren Gefährdung des Tieres.

Über den Giftigkeitsgrad ist nur wenig bekannt, aber die Anzeichen weisen darauf hin, dass der LD50-Wert (LD 50 - tödliche Dosis) als die auf einmal verabreichte Menge des Materials, die den Tod von 50% (der Hälfte) einer Gruppe von Versuchstieren hervorruft, 180 mg/kg beträgt. Basierend auf einem Durchschnittsgewicht einer Maus von 25 Gramm und den Ergebnissen der Laboruntersuchung führt der Verzehr von 2,5 - 25 Gramm Einstreumaterial bei 50% der Population zu akuten toxischen Reaktionen. Von noch größerer Besorgnis ist vielleicht der ständige Kontakt mit niedrigen Konzentrationen, was normalerweise bei Haustieren der Fall ist, die ihr Leben lang in oder auf Einstreumaterial liegen, das Abietinsäure enthält.

Alternatives Holz und Alternativen zum Holz

Es gibt viele Alternativen zu den Holzspänen, von denen die meisten genauso saugfähig sind und ein ausgezeichnetes Streumaterial darstellen. Wenn Sie jedoch Holzspäne als Einstreu verwenden möchten, ist Hartholz wie Espe und Buche eine Alternative zu Kiefer und Zeder. Im Gegensatz zu Weichholz enthält Hartholz keine Terpene.

Auswertung

Auch wenn noch quantitative Zahlen über die Auswirkungen schädlicher Stoffe im Weichholz fehlen, weisen die umfangreichen Veröffentlichungen zumindest darauf hin, dass etwas falsch ist an Kiefer und Zeder als Einstreumaterial. Einige Veröffentlichungen besagen, dass Kiefer wohl weniger gefährlich sein dürfte als Zeder. Wie bei den Lebensmitteln in der Europäischen Union, sollte das sogenannte Vorsichtsprinzip angewendet werden. Das bedeutet, dass bis zum Nachweis des Gegenteils, unbehandeltes Kiefern- und Zedernholz nicht für die Produktion von Kleintierstreu verwendet werden sollte. Es gibt genug gute Alternativen, die chemisch sicher sind, eine gute Saugfähigkeit bieten, Geruch verhindern, normalerweise nicht stauben und bei ihrer Entsorgung nicht schädlich für die  Umwelt sind.


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